Der Palazzo Ricci

Der Palazzo Ricci nach Plänen des Architekten Baldassare Peruzzi gehört zu den besterhaltenen Renaissancegebäuden Montepulcianos. Er befindet sich in der Via Ricci und ist durch ein großes, mit gewaltigen Steinen besetztes Portal gekennzeichnet, zu dem eine breite Stufenrampe führt. Mit seiner schlichten Eleganz steht der Palazzo Ricci für den nackten und schmucklosen Stil eines Gebäudetyps, der im 16. Jahrhundert weit verbreitet war.

In unmittelbarer Nähe der Piazza Grande gelegen ist der Palazzo Teil des historischen Zentrums, in dem sich das Rathaus und die Häuser der großen Adelsfamilien befinden. Neben dem freskengeschmückten Salone im Piano Nobile verfügt er über einen Innenhof mit großzügigem Bogengang und Panoramablick über die Hügel. Als Veranstaltungsort wird auch das nahe gelegene Teatro Poliziano aus dem 18. Jahrhundert genutzt. Im Palazzo Ricci selbst finden in insgesamt 18 Räumen auch Kammermusikensembles und kleiner besetzte Kammerorchester Platz.

Ein idealer Rahmen für künstlerische Arbeit und Aufführungen unterschiedlichster Art.

Geschichte

Auftraggeber für den Bau des Palazzo ist der Kardinal Giovanni Ricci. Geboren 1479 in Montepulciano, gehört er Anfang des 16. Jahrhunderts zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Vatikan. Als Gefolgsmann des Kardinals Antonio del Monte (ein Onkel des Papstes Julius III.) hat er intensive Beziehungen zu den mächtigen Familien Roms geknüpft. Zudem steht Kardinal Ricci unter dem Schutz der Päpste Clemens VII., Paul III., Julius III. und Marcellus II. Cervini, von denen die letzten beiden eine enge Verbindung nach Montepuciano pflegen.

Zwischen den Jahren 1534 und 1535 arbeitet Giovanni Ricci für Kardinal Farnese, einen Neffen des Papstes Paul III. In diese Zeit fällt auch der Bau einer eigenen Residenz in seiner Heimatstadt Montepulciano, mit dem er den Architekten und Baumeister Baldassarre Peruzzi beauftragt. Der genaue Termin ist nicht datiert; aus einer von Oktober 1535 bis Mai 1536 geführten Korrespondenz zwischen Giovanni und seinem Bruder Miniato - dem der Kardinal sowohl die Verwaltung als auch die Bauaufsicht übertragen hat - geht jedoch hervor, dass sich der Beginn der Bauarbeiten durch unerwartete Pannen verzögert.

Ein Brief vom 5. Oktober 1541 bestätigt schließlich die Vollendung der Fassade und damit den vorübergehenden Abschluss des Baus, der sich allerdings in den folgenden Jahren durch zahlreiche Änderungswünsche Giovanni Riccis fortsetzt.

Erst 1573 erscheinen wieder Nachrichten über neue Arbeiten am Palast in den Buchungsregistern; notiert ist außer den Kosten für die Baustelle die Konstruktion von zwei neuen Baukörpern am äußeren rechten und linken Ende der Fassade sowie einer Mauer hinter dem Hauptteil des Gebäudes, die den Hof gegen das Viertel Collazzi abschloss. Diese Mauer wurde vor fast einem halben Jahrhundert abgerissen, ist aber bis heute an der noch vorhandenen Stufe in der Mitte des Hofes zu erkennen.